Vom Hermann bis zum Rhein

Erlebnis-Touren an der Lippe und ihren Zuflüssen

 

 

INHALT

Simone Stickeln  I  Lippeverband: Die Lippe erleben und “erfahren”

Julia Fuhs  I   Lippeverband: Zu Fuß und per Rad unterwegs. Wasser-Erlebnistouren im Bereich des Lippeverbandes

Städtische Radtour: Leben und Arbeiten am Wasser

Pascal Tönnissen I Ruhr Tourismus GmbH: Römer-Lippe-Route

Simone Stickeln I Lippeverband

Die Lippe erleben und „erfahren“

Die Lippe als längster Fluss in Nordrhein-Westfalen hat viel zu bieten und lädt nicht nur im Sommer zum Radfahren, Wandern und Spazieren ein. Auf den Radwegen des Lippeverbandes lässt sich der Fluss das ganze Jahr über auf eine besondere Weise erleben und „erfahren“. Mit dem Rad oder auch zu Fuß kann man so die Natur entlang der Lippe und ihrer Nebenläufe entdecken und genießen. Interessierte haben dabei die Wahl zwischen drei Strecken mit unterschiedlichen Längen.

Der Rotbach-Weg

Von der Bottroper Grafenmühle über Dinslaken und die Rheinmündung des Rotbachs führt der Rotbach-Weg bis zur Mündung der Emscher in den Rhein. Dabei folgt die etwa 20 Kilometer lange Strecke dem Verlauf des namensgebenden Rotbachs vorbei an idyllischen Naturschutz- und Naherholungsgebieten und auch am Rotbachsee selbst, der vom Lippeverband als Hochwasserrückhaltebecken genutzt wird. Weitere Informationen dazu finden Interessierte auf Infotafeln, die den Rotbach-Weg säumen. Zudem leiten 52 grün-weiße Wegweiser die Radfahrerinnen und Radfahrer sicher ans Ziel. Eröffnet wurde der Rotbach-Weg im Jahr 2013 und löste damals die Rotbach-Route ab. Zuvor hatte der Lippeverband den Bachabschnitt westlich der Franzosenstraße in Dinslaken naturnah umgestaltet und damit deutlich aufgewertet.

Der Seseke-Weg

Knapp 25 Kilometer lang ist der Seseke-Weg, auf dem man die Natur entlang des Lippe-Nebenlaufs zwischen Bönen und Lünen zu Fuß oder mit dem Fahrrad entdecken kann. Der ehemals offene Schmutzwasserlauf hat sich durch das Seseke-Programm bis 2014 zu einer abwasserfreien und naturnahen Flusslandschaft entwickelt, die zum Wandern oder zu einer Radtour einlädt. Im Rahmen der ökologischen Verbesserung der Seseke durch den Lippeverband entstand auch der Seseke-Weg, der eine direkte Verbindung zwischen Bönen und der Mündung der Seseke in die Lippe in Lünen über Kamen und Bergkamen bietet. Auf der abwechslungsreichen Route gibt es dabei mehr zu sehen als attraktive Landschaften.

 Eines der Highlights ist das Hochwasserrückhaltebecken Bönen direkt am östlichen Start der Strecke. Das zweiteilige Rückhaltebecken mit einem Gesamtvolumen von 340.000 Kubikmetern ist das Zuhause zahlreiche Tier- und Pflanzenarten: So können vom Beckendamm aus, der in einem Halbkreis befahren werden kann, vor allem Vögel wie Kanadagänse oder Graureiher gut beobachtet werden. Bestandteil des neuen Erlebnis- und Naherholungsraums sind auch die Kunstinstallationen entlang des Seseke-Weges. Im Rahmen des Projektes „ÜBER WASSER GEHEN“ sind an verschiedenen Standorten auf der Strecke dauerhafte Kunstobjekte entstanden, die sich mit dem Umbau der Seseke und dem Wandel von Natur und Landschaft auseinandersetzen. Ein Beispiel dafür ist die „Pixelröhre“ des Künstlerduos Winter/Hörbelt in Kamen. Die große, verspiegelte Röhre nimmt Bezug auf das unterirdisch verlaufende Abwasser und die Kläranlage Kamen-Körnebach. Zudem laden zahlreiche Rastplätze entlang des Seseke-Weges zum Verweilen ein. Zusätzlich zur Beschilderung der Strecke können im Internet GPS-Tracks zur Navigation heruntergeladen werden.

Die Römer-Lippe-Route

Vom Ende des Seseke-Weges in Lünen aus kann man direkt auf der Römer-Lippe-Route weiterradeln. Diese begleitet die Lippe seit 2013 in weiten Teilen von der Quelle in Bad Lippspringe bis zur Rheinmündung in Wesel und geht sogar noch weiter: Der Radweg startet in Detmold, endet in Xanten und verbindet dadurch das Sauerland, das Münsterland, die Metropole Ruhr und den Niederrhein miteinander. Damit sind auch – wie der Name der Strecke es schon verrät – zwei besondere Sehenswürdigkeiten zur Römerzeit in Westfalen Bestandteil der Route: das Hermannsdenkmal im Teutoburger Wald und der Archäologische Park des Landschaftsverbandes Rheinland. Beide bieten den Radfahrerinnen und Radfahrern Einblicke in die Römerzeit in Westfalen – vom Versuch der Eroberung Germaniens zur Zeit der römischen Expansion bis zur Niederlage der Römer in der Varusschlacht. Die Spuren der Römer sind auch heute noch an vielen Stellen entlang der Lippe sichtbar, wie beispielsweise am Römerlager Anreppen in Delbrück, dem Römerpark Bergkamen oder im Römermuseum in Haltern am See. Zudem ermöglichen auch das 2011 entdeckte Römerlager in Olfen und das Uferkastell in Lünen eine eindrucksvolle Reise in die Zeit der Römer vor mehr als 2.000 Jahren.

Während die 295 Kilometer lange Hauptroute die Idylle der Römer-Lippe-Route hervorhebt, stehen bei einer alternativen Streckenführung thematische Schwerpunkte im Vordergrund. Zwölf Themenschleifen führen die Wissensdurstigen auf insgesamt 184 Kilometern zu Orten, an denen die Römerkultur oder Wassererlebnisse auf zwei Rädern „erfahrbar“ werden. Denn die Lippe hat die Gebiete entlang ihrer Ufer stark geprägt und war über eine lange Zeit für die Bewohner gleichzeitig ständige Bedrohung durch mögliche Überschwemmungen und zentrale Lebensader als Verkehrsweg, Energiequelle sowie Wasser- und Nahrungslieferant. Heute hat sich dieses Bild gewandelt: Die Lippe besticht durch grüne Flusslandschaften und eine artenreiche Flora und Fauna. So warten auf der Radtour Badeseen, Wasserkunstwerke und Auen darauf, von den Radfahrerinnen und Radfahrern entdeckt zu werden. In Verbindung mit der Hauptroute sind die thematischen Wegeschleifen eine gute Möglichkeit für Tagesausflüge, da das Ende jeder Schleife wieder zurück zur Hauptroute führt. Zusätzlich wird auch in der Beschilderung der Strecke durch unterschiedliche Farben deutlich, ob es sich um die Hauptroute oder eine der Wegeschleifen handelt.

Auch in Dorsten ist es möglich, die Hauptroute zu verlassen und der etwa 39 Kilometer langen „Römerspuren“-Schleife zu folgen. Dabei handelt es sich um einen direkten Verbindungsweg zwischen Dorsten und Wesel auf einer ehemaligen Bahntrasse, der eine kleine Reise in die Vergangenheit mit wissenswerten Informationen über den Alltag der Römer und die Beschwerlichkeiten der Legionäre bietet. Darüber hinaus liegt die Lippe-Fähre Baldur auf dieser Strecke, mit der die Lippe per Muskelkraft von Ostern bis Oktober kostenlos überquert werden kann – die restliche Zeit verbringt sie im Winterquartier. Um von Holsterhausen nach Hardt zu kommen, müssen die Nutzer selbst Hand anlegen und die Fähre mit einer Handkurbel über die Lippe ziehen. Die „Baldur“ war 2005 die erste Personenfähre, die der Lippeverband zu Wasser gelassen hat. Benannt ist die Fähre nach der gleichnamigen Zeche, die es in den 1920er-Jahren in Dorsten gab. Schon damals existierte eine Fährverbindung über die Lippe: Ein Fährmann ruderte vor und nach der Schicht Bergleute in einem Holzkahn über den Fluss. Die „Lupia“ in Hamm-Oberwerries, die „Maifisch“ in Haltern-Flaesheim und der „Quertreiber“ in Wesel sind weitere Möglichkeiten, die Lippe auf der Römer-Lippe-Route mit einer Fähre zu überqueren. Den Radfahrerinnen und Radfahrern werden damit besondere „Wassererlebnisse“ auf ihren Touren geboten.

Julia Fuhs I Lippeverband

Lippe, Kuhbach, Seseke: Zu Fuß und per Rad unterwegs. Wasser-Erlebnistouren im Bereich des Lippeverbandes

Dorsten

Dorsten an Lippe und Wesel-Datteln-Kanal und direkt an der Römer-Lippe-Route kann sowohl eine blühende mittelalterliche Geschichte, als auch eine eindrucksvolle Industriekultur vorweisen. Drei Kilometer nördlich des Stadtkerns liegt der Stadtteil Hervest-Dorsten an der Lippe, das Zentrum der hundertjährigen Geschichte der Kohleförderung. Elf Kilometer nördlich der Route kann im Stadtteil Lembeck ein wunderschönes barockes Wasserschloss besichtigt werden, in dem auch das Heimatmuseum der Stadt untergebracht ist. 

Neben der Hammbachmündung verkehrt seit dem Frühjahr 2005 die Lippefähre Baldur und bringt Wanderer und Radfahrer vom Ortsteil Holsterhausen in den südlichen Ortsteil Hardt. Per Handkurbel können die Gäste kostenlos die Lippe überqueren. Die Fähre quert die Lippe fast an gleicher Stelle, wo vor Jahrzehnten ein Fährmann Bergleute zur Schicht auf der 1930 stillgelegten Zeche Baldur ruderte. Die neue Fähre ist Teil des Dorstener Radwegenetzes, der Themenroute „Hammbach und Lippe” und natürlich auch der Römer-Lippe-Route. Fährbetrieb ist in der Regel von April bis November.

Die Römer-Lippe-Route

Mehr als 400 Routenkilometer zwischen Detmold und Xanten

Die Lippe, der längste Fluss Nordrhein-Westfalens, lockt mit einer bewegten Vergangenheit und lädt ein zu einer Entdeckungsreise von historischem Format. Sie hat die Gebiete und Bewohner entlang ihrer Ufer zu allen Zeiten nachhaltig geprägt und schon die Römer erkannten ihre Bedeutung. Auf ihrem sanften Lauf verbindet die Lippe fünf Regionen in einem der abwechslungsreichsten Bundesländer Deutschlands: den Teutoburger Wald, das Sauerland, das Münsterland, die Metropole Ruhr und den Niederrhein.

Daher war es nur eine Frage der Zeit, dass die Lippe nun einen eigenen flussbegleitenden Radfernweg bekommt: Die Römer-Lippe-Route! Schlösser eingebettet in Auen, römische Säulen, die sich majestätisch am blauen Himmel abzeichnen und dazwischen der idyllische Flusslauf der Lippe: Zwischen Detmold und Xanten führt mit der Römer-Lippe-Route ein einmaliger Radweg auf knapp 500 Kilometern Länge durch eine historisch hochspannende und landschaft­lich malerische Kulisse.

Die Hauptstrecke mit ihren 295 Kilometern bietet durch zwölf ergänzende Themen­schleifen vielseitigen Touren für jeden Geschmack. Geschichtsinteressierte, sportlich Aktive, Naturfreunde, Wasserratten und kulinarische Genießer können hier ihren perfekten Ausflug planen und je nach persönlichen Wünschen die Region mit dem Rad entdecken.

Vorbei geht es auf der Römer-Lippe-Route unter anderem an überregional bekann­ten Sehenswürdigkeiten wie dem Hermannsdenkmal bei Detmold, den zerklüfteten Externsteinen nahe Horn-Bad Meinberg, dem LVR-Archäologischer Park Xanten oder dem größten Computermuseum der Welt in Paderborn.

Kuhbach-Weg

Über mehr als sechs Kilometer Länge floss der Kuhbach früher als offener Abwasserlauf durch Bergkamen. Nach dem Ende des aktiven Bergbaus in der Stadt und dem Abklingen der Bergsenkungen hat der LIPPEVERBAND im Zuge des Sesekeprogramms ab 2001 für das Abwasser unterirdische Kanäle gebaut. Eine Folge der Bergsenkungen war und ist auch, dass der Kuhbach kein durchgehendes Gefälle mehr hat. Der Abfluss kann deshalb nur durch Pumpwerke und Druckrohrleitungen erhalten werden. Daher ist der Kuhbach heute als durchgehendes Gewässer nicht mehr vorhanden.

Um die unsichtbare Wassertechnik unter der Erde, die für einen störungsfreien Abfluss durch Abwasserkanäle, Rückhaltebecken und mehrere leistungsstarke Pumpwerke sorgt, oberirdisch zu symbolisieren, hat der LIPPEVERBAND die Kunstpfad-Idee der Bergkamener Künstlergruppe „Kunstwerkstatt Sohle 1“ von 2002 unterstützt. Die Künstler hatten mehrere Kunstobjekte zu den Themen Wasser und Stadtgeschichte entworfen und umgesetzt. Dabei kamen auch Materialien zum Einsatz, die beim Umbau des Kuhbaches eingesetzt worden waren. Der Kunstpfad der Bergkamener Künstlergruppe verweist auf das Nichtsichtbare in Geschichte und Wasserwirtschaft am Kuhbach. So erinnert, zum Beispiel, der Bergkamener Künstler Dietrich Worbs mit seiner Arbeit an ein Römerlager, welches in den Jahren 11- 8 vor Christi in Oberaden gebaut wurde und dessen Spuren Archäologen auch entlang der Kuhbachtraße fanden. Somit lädt die Wasser-Kunst zu einer Tour entlang der Römer-Lippe-Route ein.

Der Seseke-Weg

Der Seseke-Weg bietet eine direkte Verbindung zwischen Bönen über Kamen und Bergkamen bis zur Mündung in die Lippe in Lünen. Dort ist der Seseke-Weg zudem mit der Römer-Lippe-Route verknüpft. Zahlreiche Kunstwerke entlang des Weges, die im Rahmen des Projektes ÜBER WASSER GEHEN entstanden sind, lassen den Seseke-Weg zudem zu einem ganz besonderen Erlebnis werden.

Im Kulturhauptstadtjahr RUHR.2010 wurde der Umbau der Seseke durch das Projekt ÜBER WASSER GEHEN künstlerisch begleitet. An verschiedenen Standorten entlang der Strecke sind dabei einige dauerhafte Kunstobjekte entstanden, die sich mit dem Wandel von Natur und Landschaft auseinandersetzen. So schuf das Künstlerduo Winter/Hörbelt zum Beispiel die „Pixelröhre“ in Kamen an der Mündung der Körne in die Seseke. Die Skulptur nimmt Bezug auf die unterirdisch verlegten Kanalrohre und die benachbarte Kläranlage Kamen Körnebach.

Von ihrer imposantesten Seite zeigt sich die Seseke in Bergkamen im Bereich des sogenannten „Sesekeknies“. Hier weitet sich ihr Flussbett auf bis zu 30 Meter aus. In der Mitte platzierte der Schweizer Künstler Thomas Stricker eine “künstliche Insel”, bestehend aus ungewöhnlichen Bäumen und Sumpfzypressen kombiniert mit Schachtelhalm und sehr alten Pflanzenarten, die eher selten im Landschaftsraum vorkommen.

Leben und Arbeiten am Wasser

Die Route Leben und Arbeiten am Wasser ist eine städtische Radtour in Dorsten auf der die Stadt Dorsten mit ihrer Prägung durch die Lage an der Lippe erkundet werden kann. Über die unten stehenden Links können die Radkarte und ebenso Informationen zur Route und den Highlights auf der Strecke als Pdf abgerufen werden.

Pascal Tönnissen I Ruhr Tourismus GmbH

Römer-Lippe-Route

Herzlich Willkommen auf der Römer-Lippe-Route. Von hier aus, wo Sie es sich gerade bequem gemacht haben, sitzen Sie direkt am Radfernweg Römer-Lippe-Route. Die Radtouristen, die auf der Route unterwegs sind, sind schon ganze 250 km geradelt, bevor sie hier in Dorsten angekommen sind. Den größten Teil der Strecke haben sie also schon hinter sich. Lassen Sie sich nun mitnehmen auf eine Radreise der besonderen Art, begleitet vom ständigen Plätschern des längsten Flusses NRW’s, der Lippe.

Die Reise beginnt
Insgesamt ist die Hauptroute der Römer-Lippe-Route 295 km lang. Gestartet am Hermannsdenkmal bei Detmold im schönen Teutoburger Wald, vorbei an den beeindruckenden Externsteinen bei Horn- Bad Meinberg,  erreicht man schon nach 37 km die Quelle der Lippe in Bad Lippspringe.  Hier kann man bei einer Verschnaufpause auf den türkisfarbenen Quellteich der Lippe schauen, das „Auge Odins“, um einige Meter weiter zu bestaunen, wie die Lippe brausend abfließt und als Fluss ihre lange Reise startet. Bis hier her zur Lese Lounge hat die Lippe von seiner Quelle aus schon 186 km hinter sich gebracht. Die vielseitige Radreise auf der Römer-Lippe-Route aber, führt nicht nur entlang des grünen Lippe Ufers. Während die Lippe auf ihrer Reise vor sich hin fließt, leitet die Radroute durch historisch reizvolle Innenstädte, interessante Hanse- und grüne Seenstädte. Die Geschichte und Entwicklung der Städte stets geprägt von einer engen Beziehung  zum Gewässer.

Das Wasser und die Römer
Seit jeher war die Lippe bei den Anwohnern gleichermaßen Lebensader, wie Bedrohung. Der römische Name „Lupia“ ist sogar die älteste geografische Bezeichnung in Westfalen. Als lebenswichtiger Wasserlieferant, fruchtbare Nahrungsquelle und Verkehrsader, war die Lippe gleichzeitig anfällig für Hochwasser und Überschwemmungen. Sie hatte also einen immensen Einfluss auf das tägliche Leben. Doch auch schon viele Jahre vorher galt die Lippe als wichtiger Ankerpunkt: vor über 2.000 Jahren während der römischen Expansion. Für die Truppen des Kaisers Augustus bildete sie die entscheidende Aufmarsch- und Nachschublinie. Dort, wo heute Radfahrer die Römer-Lippe-Route entlang radeln, sind damals Heere an Römern lippeaufwärts Richtung Teutoburger Wald marschiert, um dort in der legendären Varusschlacht zu kämpfen. Und heutzutage kann man auf der Römer-Lippe-Route den beeindruckenden Spuren dieser Zeit mit dem Fahrrad folgen.

Römerlager Dorsten-Holsterhausen

In den Jahren 12 vor Chr. bis 9 nach Chr. legten die Römer sogenannte Marschlager an, die durch Wall- und Spitzgraben gesichert wurden. Sie boten Platz für ein bis zwei Legionen (6.000 – 12.000 Mann). Erste Spuren wurden in den 20/30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts entdeckt. Vier spätromanische Brandgräber wurden südlich des heutigen Wasserwerkes gefunden. Im Jahre 1952 wurden nach dem Fund einer Amphore weitere Grabungen vorgenommen, die zur Entdeckung einer Grabenanlage von ca. 54 ha Größe führten. Archäologen rekonstruierten daraus ein römisches Marschlager. Bei Kanalisationsarbeiten wurde im Jahre 1964 ein Spitzgraben angeschnitten, der Scherben römischer Amphoren enthielt. Dieser Fund gab 1999 Anlass zu der bis dahin größten Flächengrabung. Neben Feldbacköfen wurden Spuren einer germanischen Streusiedlung des 2. und 3. nachchristlichen Jahrhunderts gefunden. Die Ausgrabungen erbrachten 6.000 Befunde, die Siedlungen der römischen Kaiserzeit und des frühes Mittelalters angehörten. Insgesamt konnten nach Abschluss der Arbeiten im Jahr 2002 mindestens zehn römische Marschlager nachgewiesen werden. Im Jahre 2006 fanden weitere Ausgrabungen statt, bei denen Scherben importierter römischer Keramik gefunden wurden. Entdeckt wurden auch eine Hofanlage des 7. bis 9. Jahrhunderts sowie eine des 10./11. Jahrhunderts. An die Römerzeit erinnert nun eine Geschichtsstation, die an der Stelle eines der zehn römischen Marschlager errichtet wurde.

Thematische Wegeschleifen
Die enge Verbindung zwischen der Lippe und der Römerkultur führt die Radfahrer also über die 295 km von Detmold bis hin zur römischen Stadt Colonia Ulpia Traiana, die heute den Namen Xanten trägt. Neben dieser spannenden, sowie landschaftlich reizenden Hauptroute, gibt es auf alternativen Wegeschleifen, die von der Route abführen, noch mehr zu entdecken. Fokussiert auf je eines der spannenden Themen, können die Radfahrer noch mehr Wasser erleben, wie erfrischende Badeseen, Wasserkunstwerke, mächtige Schleusen oder weite Auenlandschaften. Andere kleine Abstecher geben einen spannenden Einblick in die Römerkultur mit interessanten Stätten, wie Römermuseen, alte Römer-Lager und Bauwerken. Hier in Dorsten fängt mit 39km die längste der 12 Wegeschleifen an, die „Römerspuren- Schleife“. Wie der Name schon zeigt, ist sie eine der Schleifen, die die Römerkultur zum Thema macht. Sie startet sogar gleich hier in der Nähe der Lese Lounge. Man startet mit einem der Highlights der Römer-Lippe-Route, der Lippefähre Baldur und überquert damit per Handkurbel die Lippe zwischen Holsterhausen und Hardt. Die kulturell spannende Alternative zur Hauptroute führt, anstatt weiter entlang der Lippe, nördlich der Lippe über Holsterhausen nach Schermbeck und Drevenack bis nach Wesel. Sie bietet sich durch ihre Länge auch besonders an für eine Wochenend- oder Tagesrundfahrt.  Die „Römerspuren- Schleife“ katapultiert die Besucher zurück in die Vergangenheit. Man radelt vorbei an historischen Ortskernen und Häfen, sowie Burgen und Schlössern, gespickt von der römischen Kultur, bis man wieder auf die Hauptroute an der Lippe gelangt.

Ein Anfang und ein Ende
Neben der 39 km langen Wegeschleife, legt die Lippe unbemerkt weiter plätschernd ihre letzten Kilometer zurück. Bis sie letztendlich im südlichen Wesel in den Rhein mündet und von dort aus weiter auf große Fahrt geht. Die Route der Römer-Lippe-Route führt direkt vorbei an dem renaturierten Bereich der Lippemündung, welcher heute als artenreiches Naherholungsgebiet für Anwohner und Besucher gilt. Wenn man von hier auf die letzten Züge der Lippe schaut, hat der Wasserlauf 220 km und der Radler stolze 250 km, zurückgelegt. Während die Lippe hier in den Rhein fließt und somit eine neue Reise startet,  sind es auf der Römer-Lippe-Route nur noch wenige Kilometer bis zum letzten Highlight und Ziel der Route, der geschichtsträchtigen Römerstadt Xanten. Auch in Xanten gibt es noch viel zu erleben. Aber hier angekommen, kann man zurückblicken auf eine einmalige Radreise. Stets den Schildern der Römer-Lippe-Route folgend, führte sie durch 26 verschiedene Orte und Gemeinden, vorbei an blauen Gewässern, interessanten Denkmälern, beeindruckenden Bauwerken und historischen Innenstädten, stets entlang des Wassers, welches vor Ihren Füßen fließt, der Lippe.

Mehr dazu: https://www.roemerlipperoute.de/